Auch wenn ich größtenteils Einzelkämpfer bin, komme ich nicht umhin mich mit dem Thema der Diversität in der Technikwelt und Softwareprogrammierung auseinander zu setzten. Einfach weil es immer noch Diskussionen dazu gibt, die in der heutigen Zeit eigentlich abgeschlossen sein sollten.

Elizabeth “Betty” Snyder Holberton and Kathleen “Kay” McNulty Mauchly.
During World War II, Betty, Kay, and four other women, all chosen for their backgrounds in mathematics, programmed the ENIAC, the first general-purpose electronic computer. In the photo above, Holberton and Mauchly reminisce in front of the ENIAC compiler on October 26, 1961.

Technik und Software wurde bis zum heutigen Tag hauptsächlich von einer bestimmten demographischen Gruppe entwickelt. Während Frauen über die Geschichte bedeutende Beiträge zu technologischen Entwicklungen lieferten1, bekleckerten sich eigentlich nur die Männer mit Ruhm, so wie der Vati am Sonntag mit der Bratensoße.

Ein Paradebeispiel für die Verfehlung die in homogenen Teams passieren kann, war die Entwicklung der Apple Health App, eingeführt in iOS 9. Während man(n) geschlechterunspezifische Parameter wie Schritte, Gewicht oder Ernährgewohnheiten vorfand, fehlte komplett die Möglichkeiten den Menstruationszyklus aufzuzeichnen.

Der Menstruationszyklus ist schon in der analogen Welt die am häufigsten aufgezeichnete Körperfunktion. Aber eben "nur" für die Apple-Kundinnen und die waren im Unternehmen mit 30 Prozent eher weniger an der Softwareentwicklung beteiligt.

Man gelobte2 Besserung3 und laut Apples Diversity Report stieg die Anstellung von Frauen um 2% global (Stand 2016).

Apple ist hier nur ein Paradebeispiel und im Scheinwerferlicht.

Was spricht für homogene Teams?

Alle sprechen die gleiche Sprache, haben einen ähnlichen Bildungshintergrund, können schnell zur Sache kommen und stellen ein Produkt fertig, wie sie 10 andere vorher schon fertig gestellt haben.

Das kann durchaus gewünscht sein.

Was passiert in diversen Teams?

Unterschiedliche kulturelle Hintergründe können erst einmal zu Verständigungsschwierigkeiten führen. Es dauert unter Umständen etwas länger auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Während dessen besteht aber die Möglichkeit des kreativen Austausches und damit das Potential einer kreativen Lösung, welche der konventionellen Lösung überlegen ist.

Im Reply All Podcast Episode 52 wurde folgendes Gedankenexperiment vorgestellt:

Wo bewahrst du deinen Ketchup auf?

Bei den meisten steht er wohl im Kühlschrank, aber je nach dem wo man selbst aufgewachsen ist, steht er vielleicht im Schrank.

Stell dir vor du brauchst jetzt Ketchup und findest nur die leere Tube vor und als Ersatz greifst du das, was am naheliegensten ist. Wenn der Ketchup im Kühlschrank gelagert wird, dann ist eine Tube mit Mayo vermutlich gleich danebe. Also gibt es Mayo.

Wenn der Ketchup im Küchenschrank aufbewahrt wird, dann steht da vielleicht auch Essig, Tabascosauce oder Gewürze herum und ist damit ein naheliegender Ersatz.

Die Ketchup-Frage lässt uns ein Problem von einer ganz anderen Perspektive heraus betrachten und das kann zu neuen Lösungen führen.

Ohne Diversität gäbe es dann immer nur Mayo.


  1. Wichtige Frauen in Technik und Softwareentwicklung

  2. Exclusive: Tim Cook says lack of diversity in tech is 'our fault' 

  3. Apple Stops Ignoring Women’s Health With iOS 9 HealthKit Update, Now Featuring Period Tracking | TechCrunch